Prüfungsvorbereitung

Ethikfragen in der ICF-Prüfung: Was die ACC- und die PCC/MCC-Prüfung abfragen

Von ExpertCoach.Co Team 26. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit

Coaching-Ethik macht 30 % der ICF ACC-Prüfung aus. Sowohl die ACC-Prüfung als auch die aktuelle PCC/MCC-Prüfung basieren auf dem ICF-Ethikkodex von 2020.

Unserer Erfahrung nach drehen sich viele Fragen der ACC-Prüfung um Interessenkonflikte, Vertraulichkeit und Coaching-Vereinbarungen. Der Kodex von 2020 regelt jeden dieser Bereiche in eigenen Standards, und einige davon prüfen auch die veröffentlichten Beispielfragen der ICF.

Das Wichtigste in Kürze

  • Coaching-Ethik macht 30 % der ICF ACC-Prüfung aus. In der aktuellen PCC/MCC-Prüfung entfallen 13 % auf „Hält sich an die ethischen Grundsätze“.
  • Die ACC-Prüfung und die aktuelle PCC/MCC-Prüfung verwenden den ICF-Ethikkodex von 2020. Die neue PCC-MCC-Prüfung, die ab dem 10. November 2026 verfügbar ist, berücksichtigt den Kodex von 2025.
  • Unserer Erfahrung nach sind Interessenkonflikte, Vertraulichkeit und Vereinbarungen häufige Themen in den Fragen der ACC-Prüfung.
  • Die veröffentlichten Beispielfragen der ICF behandeln das Offenlegen eines Interessenkonflikts, romantische Beziehungen mit Klienten und die sichere Aufbewahrung von Klientenunterlagen.

Wie viel Ethik steckt in der ICF-Prüfung?

PrüfungEthik in der PrüfungsgliederungGeprüfter Ethikkodex
ACC-PrüfungCoaching-Ethik, 30 %Kodex von 2020
Aktuelle PCC/MCC-Prüfung (bis 31. März 2027)Hält sich an die ethischen Grundsätze, 13 %Kodex von 2020
Neue PCC-MCC-Prüfung (ab 10. November 2026)Vier Bereiche der Kernkompetenzen, wie von der ICF aufgeführt (kein eigener Ethikbereich genannt)Kodex von 2025

Laut der ICF-Seite zur ACC-Prüfung entfallen 30 % der Prüfung auf Coaching-Ethik. Weitere 30 % entfallen auf Definition und Grenzen von Coaching, 40 % auf Coaching-Kompetenzen, -Strategien und -Techniken.

Die ICF-Seite zur PCC/MCC-Prüfung gliedert die aktuelle Prüfung nach Kompetenzen. Auf „Hält sich an die ethischen Grundsätze“ (Demonstrates Ethical Practice) entfallen 13 % dieser Prüfung.

Die ICF-Seite zum Ethikkodex bestätigt, dass der Ethikkodex von 2020 in den ICF-Prüfungen für ACC, PCC und MCC verwendet wird.

Laut dem ICF-Leitfaden zur aktualisierten Zertifizierungsprüfung berücksichtigt die neue Prüfung die jüngsten Aktualisierungen sowohl der ICF-Kernkompetenzen als auch des Ethikkodex.

Zwischen dem 10. November 2026 und dem 31. März 2027 können PCC- und MCC-Kandidaten wählen, welche Version der Prüfung sie ablegen.

Unser Leitfaden zur ICF PCC-MCC-Prüfung erklärt die Unterschiede zwischen den beiden Prüfungen. Was sich im Kodex geändert hat, liest du in unserem Artikel Was ist neu im ICF-Ethikkodex 2025?

Interessenkonflikt

Der ICF-Ethikkodex von 2020 definiert einen Interessenkonflikt als „eine Situation, in der ein ICF-Professional die Interessen mehrerer Personen wahrzunehmen hat. Dies kann zu einem Interessengegensatz und einem daraus entstehenden Konflikt finanziellen, persönlichen oder anderweitigen Ursprungs führen.“ Wir zitieren hier und im Folgenden die offizielle deutsche Fassung des Kodex.

Vier Standards behandeln Interessenkonflikte direkt:

  • Standard 6: Interne Coaches handhaben Interessenkonflikte „durch Coaching-Vereinbarung(en) und kontinuierlichen Dialog“.
  • Standard 10: Coaches sind, „um Interessenkonflikte zu vermeiden, sensibel hinsichtlich möglicher Beeinflussungen, wenn mehrere Verträge und Geschäftsbeziehungen mit denselben Kunden und Sponsoren gleichzeitig bestehen“.
  • Standard 12: Als ICF-Professional „informiere ich meine Kunden über den möglichen Erhalt von Provisionen und anderen Vorteilen, die ich für die Vermittlung meiner Kunden an Dritte erhalte“.
  • Standard 18: Als ICF-Professional „löse ich jeden Interessenkonflikt oder potenziellen Interessenkonflikt, indem ich das Problem mit den relevanten Parteien kläre, professionelle Unterstützung suche oder die berufliche Beziehung vorübergehend aussetze oder ganz beende“.

Die erste Frage in den Beispielfragen der ICF zur PCC/MCC-Prüfung (auf Englisch) beschreibt einen möglichen Interessenkonflikt. Kandidaten sollen die beste und die schlechteste Handlung bestimmen.

Ein Coach trifft sich mit einem potenziellen Klienten, der gerade ein neues Unternehmen aufbaut. Coach und potenzieller Klient finden schnell einen guten Draht zueinander. Der Coach freut sich auf die Gelegenheit, mit dem Klienten zu arbeiten. Als Coach und Klient ihr Gespräch beenden, erwähnt der potenzielle Klient kurz den Namen seines neuen Unternehmens. Der Coach kennt das Unternehmen, denn er ist Investor in einem etablierteren Konkurrenzunternehmen in derselben Region. Was sollte der Coach tun?

  • A) Nichts sagen. Versuchen, die eigene Rolle als Investor in einem Konkurrenzunternehmen von der Rolle als Coach getrennt zu halten. (Schlechteste Antwort)
  • B) Sagen, dass ihm der Name des Unternehmens bekannt vorkommt, und sich vornehmen, später am Abend herauszufinden, ob es sich um ein Konkurrenzunternehmen handelt.
  • C) Die eigene Rolle als Investor im Konkurrenzunternehmen nur dann offenlegen, wenn sich der potenzielle Klient wieder meldet, um ein Coaching mit dem Coach zu vereinbaren.
  • D) Die eigene Rolle als Investor in einem Konkurrenzunternehmen offenlegen und dem Klienten gegenüber anerkennen, dass ein Interessenkonflikt möglich ist. (Beste Antwort)

Die ICF wertet Option D als beste Antwort. Hier legt der Coach seine Beteiligung offen und benennt den möglichen Konflikt.

Option A, also nichts zu sagen, wertet die ICF als schlechteste Antwort.

Die Frage bezieht sich auf Standard 18, der regelt, wie Coaches Interessenkonflikte gemeinsam mit den relevanten Parteien lösen.

Vertraulichkeit

Der Kodex von 2020 definiert Vertraulichkeit als „Schutz aller Informationen, die im Zusammenhang mit dem Coaching-Auftrag erhalten werden, sofern keine Zustimmung zur Freigabe erteilt wird“.

Vier Standards beschreiben die Pflichten des Coaches:

  • Standard 3: Coaches halten „die strengste Vertraulichkeit mit allen Parteien wie vereinbart aufrecht“.
  • Standard 4: Coaches sorgen „für ein klares Verständnis, wie und welche Informationen zwischen allen beteiligten Parteien während aller Coaching-Interaktionen ausgetauscht werden“.
  • Standard 5: Coaches stellen mit Klienten und Sponsoren (oder interessierten Parteien) klar, unter welchen Bedingungen Informationen nicht vertraulich behandelt werden. Beispiele sind illegale Aktivitäten, gesetzliche Vorgaben oder Gerichtsentscheidungen sowie eine wahrscheinliche Selbst- oder Fremdgefährdung.
  • Standard 7: Coaches bewahren Aufzeichnungen „in einer Weise auf, die Vertraulichkeit, Sicherheit und Datenschutz fördert“.

Eine der Beispielfragen der ICF zur ACC-Prüfung (auf Englisch) lautet: „Wie MUSS ein Coach Aufzeichnungen zur Coaching-Sitzung eines Klienten aufbewahren?“

Als richtige Antwort nennt die ICF: „In einem sicheren Format, das die Vertraulichkeit für den Klienten fördert.“

Das spiegelt Standard 7 wider, der die Vertraulichkeit, Sicherheit und den Datenschutz von Klientenunterlagen regelt.

Vereinbarungen

Der ICF-Ethikkodex von 2020 beginnt mit Standards zu Coaching-Vereinbarungen.

Nach Standard 1 stellen Coaches vor oder bei der ersten Besprechung sicher, dass Klienten und Sponsoren „die Art und den potenziellen Wert des Coachings, die Art und Grenzen der Vertraulichkeit, finanzielle Vereinbarungen und alle anderen Bestimmungen der Coaching-Vereinbarung verstehen“.

Standard 2 verlangt eine Vereinbarung vor Beginn der Zusammenarbeit. Als ICF-Professional „erstelle ich eine Vereinbarung/einen Vertrag über die Rollen, Verantwortlichkeiten und Rechte aller Beteiligten mit meinen Kunden und Sponsoren vor Beginn der Dienstleistungen“.

Nach Standard 9 respektieren Coaches außerdem „das Recht aller Parteien, das Coaching-Verhältnis zu jedem Zeitpunkt und aus jedem Grund während des Coaching-Prozesses vorbehaltlich der Bestimmungen der Vereinbarung zu beenden“.

Coaching-Vereinbarungen hängen eng mit Vertraulichkeit und Interessenkonflikten zusammen.

Standard 3 verlangt Vertraulichkeit „wie vereinbart“, und Standard 6 regelt Interessenkonflikte „durch Coaching-Vereinbarung(en)“.

Diese Pflichten finden sich auch in Kompetenz 3 der ICF-Kernkompetenzen von 2019. Unser Artikel zur Kompetenz Schließt Vereinbarungen ab und hält sie ein erklärt sie ausführlicher.

Weitere Standards in den ICF-Beispielfragen

Die erste ACC-Beispielfrage der ICF verlangt, eine Handlung zu erkennen, die gegen den Ethikkodex verstößt.

Als richtige Antwort nennt die ICF: „Eine romantische Beziehung mit einem Klienten eingehen.“

Das bezieht sich auf Standard 24: Als ICF-Professional „gehe ich keine sexuellen oder romantischen Beziehungen mit Kunden oder Sponsoren ein“.

Der ICF-Ethikkodex von 2020 umfasst 28 Standards in vier Abschnitten: Verantwortung gegenüber Kunden, Verantwortung für Praxis und Leistung, Verantwortung für die Professionalität und Verantwortung für die Gesellschaft.

Ethikfragen üben

Unser kostenloser ICF ACC-Übungstest enthält Ethikfragen zur Vertraulichkeit, wenn ein Arbeitgeber das Coaching bezahlt, und zu Interessenkonflikten. Zu jeder Frage gibt es eine Erklärung auf Basis des jeweiligen Standards im Kodex.

Der kostenlose ICF PCC/MCC-Übungstest enthält außerdem Situationen, in denen ein Klient den Coach bittet, die Rolle eines Therapeuten oder Beraters zu übernehmen.

Einen Lernplan für den Ethikkodex und die Kernkompetenzen findest du in So bestehst du die ICF ACC-Prüfung.

Wenn du lieber mit einem strukturierten Kurs lernst: Unser Vorbereitungskurs für die ICF ACC-Prüfung enthält ein Modul zum ICF-Ethikkodex mit Prüfungstipps und einem Mini-Quiz.

Außerdem bieten wir zwei Versionen unserer Vorbereitungskurse für die ICF PCC/MCC-Prüfung an. Die eine bereitet dich auf die aktuelle Prüfung mit dem Kodex von 2020 vor und bezieht den Kodex von 2025 mit ein. Die andere bereitet dich auf die neue Prüfung mit dem Kodex von 2025 vor.

FAQs zu Ethikfragen in der ICF-Prüfung

Wie viel der ICF ACC-Prüfung dreht sich um Ethik?

Auf den Bereich Coaching-Ethik entfallen 30 % der ICF ACC-Prüfung. Die beiden anderen Bereiche sind Definition und Grenzen von Coaching mit 30 % sowie Coaching-Kompetenzen, -Strategien und -Techniken mit 40 %.

Welchen ICF-Ethikkodex verwendet die ICF-Prüfung?

Die ICF-Prüfung verwendet für ACC-Kandidaten und für Kandidaten der aktuellen PCC/MCC-Prüfung den ICF-Ethikkodex von 2020. Die neue PCC-MCC-Prüfung, die ab dem 10. November 2026 verfügbar ist, berücksichtigt die Überarbeitungen des Kodex von 2025.

Zu welchen Ethikthemen stellt die ICF ACC-Prüfung Fragen?

Unserer Erfahrung nach enthält die ICF ACC-Prüfung viele Ethikfragen zu Interessenkonflikten, Vertraulichkeit und Coaching-Vereinbarungen. Die veröffentlichten Beispielfragen der ICF behandeln außerdem romantische Beziehungen mit Klienten und die sichere Aufbewahrung von Klientenunterlagen.

Prüft die neue ICF PCC-MCC-Prüfung den Ethikkodex von 2025?

Die neue ICF PCC-MCC-Prüfung prüft den Ethikkodex von 2025. Die ICF bestätigt, dass die Prüfung die neuesten Aktualisierungen der Kernkompetenzen und des Ethikkodex berücksichtigt. PCC- und MCC-Kandidaten können bis zum 31. März 2027 noch die aktuelle Prüfung wählen, die auf dem Kodex von 2020 basiert.

Wo finde ich Übungsfragen zur ICF-Ethik?

Übungsfragen zur ICF-Ethik findest du in den offiziellen Beispielfragen der ICF zur ACC-Prüfung und zur PCC/MCC-Prüfung. Auch unser kostenloser ICF ACC-Übungstest und unser kostenloser ICF PCC/MCC-Übungstest enthalten Ethikfragen, jeweils mit einer Erklärung der Begründung hinter jeder Antwortoption.

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Über das Autorenteam

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Dieser Leitfaden wurde von ICF-zertifizierten Coaches des ExpertCoach.Co-Teams verfasst und geprüft. ExpertCoach.Co unterstützt Tausende von Coaches aus mehr als 60 Ländern dabei, sich mit Klarheit und Selbstvertrauen auf ihre ACC-, PCC- und MCC-Zertifizierung vorzubereiten.

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